Verschiedene Unendlichkeiten, 2021
98 x 100 cm, Acryl / Lwd.

[Günther Fruhtrunk nannte einmal ein Bild »verschiedene Schwarz«, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Wahrnehmung der Farbe Schwarz sehr verschiedenartige Qualitäten haben kann, was normalerweise nicht, aber im Nebeneinander kleiner Unterschiede dann schon deutlich wird.] Unendlichkeit ist in der Malerei sicher kein bloßes Sujet, sondern bildet einen wichtigen Pol insofern das Imaginäre immer auf unbestimmte Weise über den Bildrand, über den Rahmen des Werks hinausweist. In meinen Protostrukturen stimulieren Elemente wie Wiederholung und irrtierende Überlagerungen den Eindruck einer unbestimmbaren Tiefe eine Wahrnehmung, die sich nicht in klarer Gegenständlichkeit auflöst und daher eine Form der Unendlichkeit bildet. Die Methode der Erzeugung einer solchen Erfahrung sehe ich als explizit artifizielle an. Das tendenziell Maschinelle und Gemachte ist Produkt von Arbeit, von Experiment und Optimierung, eine fabrizierte Welt, die aber nicht nur das Dämonische mechanischer Weltbilder provoziert, sondern auch die Möglichkeit der partiellen Befreiung durch Arbeit, also die Idee einer selbstbestimmten und freien Wirklichkeit zu konkretisieren sucht. Demgegenüber ist die gemalte Darstellung eines Sonnenaufgangs hinter einem weiten Horizont eine Beschwörung von Unendlichkeit, die ein Naturschauspiel als Illusion wiedergibt und auf die objektive Gegebenheit der Schöpfung verweist, deren Verbindung zur Idee der Freiheit eine andere ist. In diesem Bild sehe ich damit einen Gegensatz formuliert, einen Widerspruch, der aber zugleich nach der Vereinbarkeit der beiden Seiten fragt. Man könnte etwa vermuten, dass es hier um den Widerspruch von Arbeit und Müßiggang geht, von Aktion und Kontemplation, und wie diese beiden Seiten der Suche nach Selbstverwirklichung (individuell oder kollektiv) zu vereinigen wären.

Newsletter

Michael Hauffen

derzeit noch nicht aktiv, bitte versuchen Sie es später wieder